Presse

2. Sinfoniekonzert am 17.06.2018

Die Orchestervereinigung Gauting und die Solisten Ingolf Turban und Anna Sophie Dauenhauer unter Dorian Keilhack.: Foto: Astrid Schönauer
Die Orchestervereinigung Gauting mit den Solisten Ingolf Turban und Anna Sophie Dauenhauer unter der Leitung von Dorian Keilhack; Foto: Astrid Schönauer

 

Kritik zum Sommerkonzert am 18.06.2018, SZ Starnberg vom 18.06.2018

Von REINHARD PALMER

Professionelle Hingabe

Das Sinfoniekonzert der Orchestervereinigung Gauting und die Solisten Ingolf Turban und Anna Sophie Dauenhauer nehmen die Zuhörer mit auf eine faszinierende musikalische Reise, die bis zum letzten Ton spannend bleibt

Die gute Nachricht: Deutschland kann immer noch Fußball-Weltmeister werden. Die noch bessere Nachricht: In der Dichte der Liebhaberorchester ist es Deutschland höchstwahrscheinlich schon seit vielen Jahren. Alleine der 1924 gegründete Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester zählt 838 Mitgliedsorchester. Mit der Gründung der Orchestervereinigung Gauting 1969 bekam die deutsche Musiklandschaft einen hartnäckigen Vertreter hinzu. Die Ausdauer lohnte sich.

Das Sinfoniekonzert unter Leitung des überaus erfolgreich am Pult agierenden Dorian Keilhack zeugte im Gautinger Bosco erneut von einer beachtlichen Steigerung des Klangkörpers sowohl in spieltechnischer wie musikalischer Hinsicht, obwohl das Programm so gar nicht nach Schongang aussah. Dass nach der Pause nach einem anstrengenden ersten Teil noch Beethovens siebte Sinfonie (A-Dur, op. 92) bis zum letzten Ton ohne Spannungsabfall in voller Konzentration bewältigt werden konnte, zeugte von großem Ehrgeiz und fast schon professioneller Hingabe der Instrumentalisten. Beides Voraussetzungen, die Keilhack mutiger in der Planung wie am Pult werden lassen. Das Konzert mit Mendelssohns Konzertouvertüre "Das Märchen von der schönen Melusine" (F-Dur, op. 32) zu eröffnen, wäre vor wenigen Jahren keine gute Idee gewesen: Gilt es doch in diesem Fantasiewerk, mit den ersten Tönen sogleich eine warmtonige, märchenhafte Atmosphäre auszubreiten - leise, geheimnisvoll, legendenhaft. Der Vortrag fesselte jedoch sogleich und zog die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. So nahm das Orchester seine Hörer mit auf eine Reise durch fantastische Szenen mit einem straffen dramaturgischen Aufbau.

Das Sinfoniekonzert unter Leitung des überaus erfolgreich am Pult agierenden Dorian Keilhack (Mitte) zeigte im Gautinger Bosco erneut eine beachtliche Steigerung sowohl in spieltechnischer als auch in musikalischer Hinsicht.

Spannungsaufbau war denn auch ein großes Thema in diesem Konzert - das zentrale Element, wenn es darum geht, über dem dramaturgischen Auf und Ab einer bewegten Erzählung einen weiten Bogen zu spannen, der aus einer Szenenabfolge erst eine stimmige Geschichte formt. Noch komplexer wird die Angelegenheit, wenn es sich um die abstrakte Form einer Sinfonie handelt, in der Musiker auf keine bildliche Vorstellung zurückgreifen können. Und Beethovens Siebte ist schon ein sehr kontrastreiches, üppig mit rigiden Wendungen ausgestattetes Werk, in dem sich das Gautinger Orchester dennoch nicht verlor. Keilhack konnte den Instrumentalisten das übergreifende Denken gut vermitteln, was den Kontext innerhalb der Sätze, aber auch der Sätze untereinander überzeugend zusammenhielt. Eindruck machte vor allem die präzise Rhythmik im Kopfsatz, die düstere Leidenschaft im Allegretto, die spritzige Leichtigkeit im Scherzo wie die Klarheit in Rhythmus und Pointierung des markanten Schlusssatzes.

Auf eine besondere Herausforderung ließ sich Keilhack mit der Sinfonia Concertante für zwei Violinen und Orchester (h-Moll, op. 88) von Louis Spohr ein. Diese seltene Gegenüberstellung von Solistenensemble und Orchester setzt auf das Dialogisieren der beiden Hauptparts. Die Geigenvirtuosen Ingolf Turban und seine einstige Schülerin Anna Sophie Dauenhauer standen über weite Strecken mit Virtuosität und Einfühlsamkeit im Vordergrund. In der Homogenität im Zugriff und bravourösen Sicherheit des Solistenduos zeigte sich das Werk überaus wirkungsvoll, dass man vielleicht die undankbare Rolle des begleitenden Orchesters aus dem Blick verlor.

Dabei war die Aufgabe gerade deshalb so schwierig, weil der Orchesterpart stark fragmentiert stets nur mit harmonischen Färbungen und Atmosphären im Hintergrund agierte und zuweilen nur stützte, untermalte, sachte umdeutete und es auch zielsicher umsetzte. Umso beeindruckender, dass in den wenigen großen Einsätzen des Orchesters der Klangkörper volle Substanz in dynamischer Plastizität abzurufen vermochte. Die dramaturgische Inszenierung des Werkes entfaltete jedenfalls eine große Kraft, die den Solisten reichlich Spannung zuspielte.
 

 

Kritik zum Sommerkonzert am 17.06.2018, Starnberger Merkur vom 18.06.2018

Von CHRISTINE CLESS-WESLE

Bravorufe, Getrampel und brausender Beifall 

Fulminantes Finale der Premiere von „Gauting in Kultur vereint“. Die Violinisten Professor Ingolf Turban aus Stockdorf und seine ehemalige Studentin Anna Sophie Dauenhauer die Herzen des Publikums im Bosco-Saal im Sturm. 

Gauting – Die beiden Solisten begeisterten durch ihr magisches Zusammenspiel. Dirigent Dorian Keilhack befeuerte das Gautinger Orchester zu Höchstleistungen.

„Das Märchen von der schönen Melusine“: Mit der Konzertouvertüre von Felix-Mendelssohn-Bartholdy erweckte das Orchester die märchenhaften Verse von Heinrich Heine zum Konzertauftakt zu musikalischem Leben. Dumpf erklingt das Unheimliche des orchestralen Dramas der oft vertonten romantischen Saga des Fischweibs in der Unterwelt. Wunderbar vermitteln die Streicher die Wellenbewegung des Wassers.

Das zweite romantische Werk an diesem Abend wurde ebenfalls 1833 komponiert – vom gefeierten Geigen-Virtuosen Louis Spohr. Das Concertante für zwei Violinen in h-Moll erfordert Bravourleistungen wie bei Spohrs Zeitgenossen Paganini. Das geradezu traumwandlerisch harmonierende Duo Ingolf Turban und Anna Sophie Dauenhauer begeisterten vom ersten Ton an durch ihre mitreißende Spielfreude. Bezaubernd ließen die beiden Solisten das melodiöse Allegro erstrahlen. Dorian Keilhack bändigt sein Orchester meisterhaft bis hin zum drängenden tänzerischen Crescendo. Innig interpretiert das Geigen-Duo das schwelgerische Andantino. Hier sind zwei fantastische Geigenvirtuosen am Werk, verknüpft durch magischen Gleichklang. Beschwingt, mit grandiosem Tempo bieten Anna Sophie Dauenhauer und ihr ehemaliger Meister das rhythmische, tänzerische Rondo. Bravorufe und brausender Beifall schallen durch den gut gefüllten Saal.

Zum Finale dieses denkwürdigen Konzertes legen Dorian Keilhack und seine Orchestervereinigung den Zuhörern noch ein Geschenk zu Füßen: Verstärkt mit Profi-Bläsern erklingt die berühmte siebte Beethoven-Sinfonie mit packender Wucht.  Dirigent Keilhack entlockt seinem Orchester den dramatisch anschwellenden Tutti-Donner perfekt. Differenziert mündet die Wucht des romantischen Werks im spannungsreichen Piano. Pochend, mit gedämpften Bässen, erklingt der zweite Satz. Nach dem Parcours-Ritt im rhythmischen Rondo bleibt kein Wunsch offen. Ein letztes Mal an diesem Abend applaudiert und trampelt das hingerissene Publikum.

 

Kritik zum Frühjahrskonzert am 11.03.2018, SZ Starnberg vom 15.03.2018

Von REINHARD PALMER

Topos der Sehnsucht

Die Orchestervereinigung Gauting unter Leitung von Dorian Keilhack glänzt im Bosco

Kunst ist Ausdruck der Zeit, in der sie entsteht: Das kann man nicht oft genug wiederholen, wünschen sich doch immer wieder Konzertbesucher lieber ein schönharmonisches Berieseln im alten Stil. Ein Blick in die aktuellen Nachrichten rechtfertigt indes jede Dissonanz. Die Aktualität veranlasste auch Johannes X. Schachtner 2014 seine Threnodie (Klagelied) "Mare nostrum" dem Mittelmeer nicht nur als Topos der Sehnsucht, sondern auch des menschlichen Scheiterns wie Versagens zu widmen. In weiser Voraussicht der noch größeren Tragödie der Geflüchteten, die noch folgen sollte.

Die Orchestervereinigung Gauting unter Leitung von Dorian Keilhack nahm sich der gewichtigen Aufgabe im Bosco an und erstaunte mit einer ergreifenden Interpretation. Sicher, gerade die ungewohnten Spieltechniken könnten perfekter ausgeführt werden, doch die Komposition würde dadurch wohl kaum dazugewinnen. Ganz im Gegenteil: Das vorgesehene Schlagwerk etwa entstammte dem Schrottplatz. Spieltechnische Ästhetik entspräche eben nicht der Thematik. Der Ausdruck bewegt sich zwischen kaum hörbaren, dennoch bedrohlichen Streicherklangspuren, dramatisierendem Schlagwerk, wehklagendem Jauchzen und Winseln sowie panischen Blechbläsern - und einer mächtigen unterschwelligen Spannung, die das Orchester ausgeprägt spüren ließ.

Auf ein so weit offenes Ausdrucksspektrum eingeschworen, vermochten die Instrumentalisten auch in den weiteren Werken des Abends überaus differenziert Keilhacks Dirigat zu folgen. Insbesondere bei Brahms, dessen gewichtige Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73 nicht weniger emotionale Anforderungen stellt. Was in Hinblick darauf, dass es sich hier um ein Amateurorchester handelte, am meisten begeisterte, waren die schlüssigen Entwicklungen, die über den reinen Notentext hinaus in fesselnder Weise musikalisches Empfinden vermittelten. Das Konzert für Waldhorn und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 11 von Richard Strauss gab den Musikern wohl noch zu wenig Material an die Hand, eine packendere Dramaturgie zu entwickeln, obgleich Solist Gabriel Stiehler mit ausgeprägter Sensibilität um jede noch so kleine Empfindung rang und das Orchester auch mitzuziehen bewog. Stiehler griff auch Straussens jugendliche Schwärmerei klangschön auf, sodass ein warmtoniges Klangszenario die satte Substanz durch reiches Kolorit changieren ließ. Bei Brahms fand das Orchester klarere Ausprägungen, die sich gerade in den Rahmensätzen mit einhelliger Wendigkeit offenbarten. Hervorzuheben ist das "Allegretto grazioso quasi Andantino", das sich - leicht und galant angesetzt- in schönharmonischer Entwicklung schließlich zur tänzerischen Verve steigerte. Der lang anhaltende, frenetische Applaus des Publikums würdigte eine überzeugende Leistung.

 

Kritik zum Frühjahrskonzert am 11.03.2018, Starnberger Merkur vom 14.03.2018

Klagelied über einen Schicksalsort

Orchestervereinigung Gauting begeistert mit Johannes X. Schachtners "Mare nostrum"

Von CHRISTINE CLESS-WESLE

Gauting - Unter dem mitreißenden Dirigat von Dorian Keilhack begeisterte die Orchestervereinigung Gauting ihr Publikum für zeitgenössische Musik. Nach der Aufführung von „Mare nostrum“ des Gautinger Komponisten Johannes X. Schachtner schallten am Sonntagabend vielstimmig Bravo-Rufe durch das Kulturzentrum Bosco. Der erschütternde altgriechische Klagegesang - Threnodie - über den Sehnsuchts- und Schicksalsort Mittelmeer war zur Überraschung aller zweimal zu hören gewesen.

Schon der schrille, irritierende Auftakt mit ungewöhnlichen Percussion-Instrumenten vom Schrottplatz nimmt das Publikum gefangen. Der junge Gautinger Komponist Johannes X. Schachtner (32) war anwesend und erklärte sein schon 2015 von der Philharmonie Weimar uraufgeführtes Werk: „Mein Orchesterpoem ist denjenigen gewidmet, die in unserem gemeinsamen Sehnsuchtsort Mittelmeer - dem, Mare nostrum' - ihr Leben verloren haben und bis heute verlieren.“ Daher der eruptive und schrille Auftakt des Werks. Mit Bläsern und grellen Violin-Stimmen schwellen die schrägen Klänge weiter an. Bis zum dumpfen Schlag der Pauke. Dem Zuhörer gehen die dramatischen Klänge durch Mark und Bein. Ein einfaches Liedthema mit Holzbläsern wird zum Aufschrei - und gleitet überraschend ins sanfte Pizzicato der Violinen. Mit diesem genialen Kunstgriff verwandelt Dorian Keilhack seine Streicher in Mandolinen.

Nach der Wucht des „Mare nostrum" wird das Publikum wieder in Ruhe versetzt. Mitreißend interpretiert der 26-jährige Solist Gabriel Stiehler aus Starnberg das Waldhorn-Konzert Es-Dur von Richard Strauss. Innig bläst Stiehler das Andante, das in ein dahinjagendes Allegro mündet. Der stellvertretende Solohornist vom Salzburger Mozarteum zieht das Gautinger Orchester mit. Nach einem wunderbaren Dialog mit der Querflöte treibt der Hornist die Jagd weiter - bis zum melodiösen Finale. Sonderapplaus für den bravourösen Solisten brandet durch den Bosco-Saal.

Und dann die Überraschung: Nach dem Schreck der Erstaufführung spielt das Gautinger Orchester, verstärkt mit Profibläsern, das Werk von Johannes X. Schachtner ein zweites Mal - zu Recht. Denn das Publikum hat sich in diese fremde und doch vertraute Klangwelt bereits eingehört. Im zweiten Anlauf können sich die Musiker vollends frei spielen. Dorian Keilhack holt jetzt alles aus seinem bestens, einstudierten Orchester. Intensiv schwebt das Klagelied über den Musikern. Bässe und Celli vereinen sich mit der dumpfen Antwort der „Mandolinen“ zu Tönen aus der Tiefe des alles verschlingenden Meeres. Das Gautinger Publikum geht begeistert mit - und dankt mit Bravo.

Schwelgerisch, mit vollem Bläserklang folgt zum Finale die romantische Sinfonie in D-Dur von Johannes Brahms. Wunderbare Celli- Kantilenen münden im melancholischen Adagio in strahlende Violinstimmen. Als sich das „Allegro con spirito“ mit Basstuba und Posaune vollends zum temperamentvoll gebotenen brillanten „Kehraus“ steigert, will der Schlussapplaus kaum enden. Dieses außergewöhnliche Konzert hätte mehr verdient - eventuell eine zweite Aufführung.

 

Kritik zum Weihnachtskonzert am 26.12.2017, Starnberger Merkur vom 28.12.2017

Orchestervereinigung Gauting und der Chor St. Benedikt unter der Leitung von Dorian Keilhack mit den Solistinnen Anna-Alexandra Dörschner und Alma-Vivienne Keilhack; Foto: Heinz Auspurg

Von CHRISTINE CLESS-WESLE

Talente krönen musikalischen Festabend 

Unter der Leitung von Dorian Keilhack brachten Gesangssolisten, die Orchestervereinigung Gauting und der Kirchenchor von St. Benedikt den barocken Jubel der Weihnachtskantate von Georg Philipp Telemann am zweiten Feiertag zu Gehör – nicht das einzige Glanzlicht des Weihnachtskonzertes .

Gauting – Mit unnachahmlicher Spiritualität sang die Altistin Eva Schöler das Rezitativ „Nur einmal bist du Mensch geboren.“ Ein melodiöses „Ehre sei Gott in der Höhe“ gelang der Sopranistin Susanne Winter. Mit Verve dirigierte Dorian Keilhack den frohen, dahinstürmenden Lobgesang „Uns ist ein Kind geboren“ mit Orchester, Pauken und Trompeten. Einmal mehr hatten der Gautinger Kirchenmusiker Johannes Schachtner und sein Sohn, der Komponist und Dirigent Johannes X. Schachtner, den Chor bestens einstudiert.

Zwei vielversprechende Talente standen im Mittelpunkt des berühmten Bach-schen Doppelkonzerts für zwei Violinen und Orchester in d-moll: In traumhaft sicherem Zusammenspiel intonierten Anna-Alexandra Dörschner (14) und Alma-Vivienne Keilhack (11), Tochter des Dirigenten, das höchst lebendige „Vivace“. Kein Wunder: Die beiden Geigerinnen sind erste Bundespreisträgerinnen beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ und Jungstudentinnen an der Musikhochschule Würzburg. Mit energischem Strich boten die jungen Musikerinnen mit dem Orchester den temporeichen Allegro-Satz. Sonderapplaus für die jungen Talente.

„Ich freue mich in dir“. Den reichen Jubel der Bachschen Weihnachtstag- Kantate entfaltete der Gautinger Chor gekonnt. Berührend erhob sich das vorausschauende Tenor-Solo „Voller Schrecken“ von Richard Resch zur Orgel (Nina Milborn). Flehentlich sang Susanne Winter mit ihrem warm modulierenden Sopran die Arie „Wie lieblich klingt es“. Der dunkle Bassbariton von Felix Rathgeb mündet in den zuversichtlichen Bach-Choral „Wohlan! So will ich mich an dich, o Jesu, halten, und sollte gleich die Welt in tausend Stücke spalten!“

Mit dem „Magnifikat“ von Georg Philip Telemann, Bach-Zeitgenosse, aber im Barock noch berühmter als der Leipziger Thomas-Kantor, bescherte Keilhack den Gautingern eine finale Sternstunde. Begleitet vom Orchester sang der Chor den Choral „Magnificat anima mea“ (meine Seele preist). Auf die Alt-Arie zum Violin-Solo mit Basso Continuo folgte der wilde Chorjubel. Nach dem triumphalen „Amen, Gloria Patri!“ (Ehre sei dem Vater) brandete im kalten Kirchenschiff ein Beifallssturm mit begeistertem Getrampel auf. Ein musikalischer Festabend!

 

 

Kritik zum Sommerkonzert am 25.06.2017, SZ Starnberg vom 01.07.2017

Von REINHARD PALMER

Mit Leichtigkeit

Die Orchestervereinigung Gauting unter der Leitung von Dorian Keilhack und die erst zwölf Jahre alte Solistin Clara Shen überzeugen im Bosco mit ihrem Mozart-Programm

Gauting - "Mozart forever" fand als sommerlich-leichter Klassikabend im Gautinger Bosco seine Fortsetzung. Mozarts Musik kann sehr vergnüglich sein und gute Laune machen. Doch so leicht sie auch daherkommt: Sie ist für die Musiker nicht immer nur ein Vergnügen. Gerade die spritzigen, vital rhythmisierten Themen verlangen schweißtreibende Probenarbeit, bis sie so sauber klingen, wie es die Orchestervereinigung Gauting unter der Leitung von Dorian Keilhack mittlerweile zu stemmen vermag.

Ist die Textur zerklüftet und folgt sie einer Dramaturgie von unentwegten Wechseln und Wendungen in der Charakteristik und Klangprägung, dann ist die schlüssige, ja selbstverständliche Wirkung schon mit enormem Arbeitsaufwand erkauft. Im Violinkonzert A-Dur, KV 219, kam hinzu, dass es reine Begleitpassagen gibt, in denen sich das Orchester weit zurückzunehmen oder auch mit der Solostimme zu interagieren hat. Keilhack ging das Dirigat dennoch gelassen an und gab den Musikern auch einen Großteil der Verantwortung ab, um selbst der Solistin zu folgen und sich auf den Dialog nicht nur über den Einsatzgestus des Dirigenten einzulassen.

Die Geigerin überrascht mit Musikalität und Ausdrucksvermögen

Obgleich die Geigerin Clara Shen erst sensationelle 12 Jahre alt ist, konnte Keilhack auf ihr kommunikationsfreudiges Spiel bauen. Trotz ihrer Jugend versteht es die gebürtige Münchnerin bereits, den Orchesterpart mitzudenken und einfühlsam mit ihm zu interagieren.

Man muss kein Hellseher sein, um Clara Shen die Möglichkeit einer großen Karriere als Geigerin vorherzusagen. Das hat weniger mit ihrer spieltechnischen Gewandtheit und virtuosen Sicherheit zu tun. Weit mehr noch überraschte Shen mit ihrer Musikalität, ihrem Ausdrucksvermögen und gepflegten Ton. Qualitäten, die sie in Fritz Kreislers Recitative und Scherzo in der Zugabe solistisch noch einmal mit weitem Atem vorführte. Die Selbstbeherrschung, mit der sie an ihre Aufgabe bei Mozart heranging und sich zu keinem Moment von der doch recht schwungvoll von der Hand gehenden Musik zur Nachlässigkeit verführen ließ, zeugte von erstaunlicher Reife. Jeder Ton war durchdacht und aus einer starken Empfindung heraus sorgfältig platziert. Besonders reizvoll dabei das Schluss-Rondeau, das die Orchestervereinigung zunächst galant-vergnügt, dann dramatisch intensiviert, schließlich auch mit Verve abwechslungsreich grundierte.

Diese Wendigkeit ging den Musikern in der eröffnenden Sinfonie Nr. 25 g-Moll, KV 183, noch nicht so leicht von der Hand. Bei dampfig-warmer Witterung hatten die Musiker auch mit der wechselnden Stimmung ihrer Instrumente zu kämpfen, um die Intonation in den Griff zu bekommen. Die Straffheit und Rhythmisierung im Kopfsatz gelang dennoch ebenso konsequent wie die zarte Warmtonigkeit im weit zurückgenommenen Andante.

Dennoch wirkte später in der Sinfonie Nr. 19 A-Dur, KV 201, alles selbstverständlicher. Eins ging aus dem anderen fließender hervor, womit auch das typische Mozart'sche Idiom deutlicher zum Vorschein trat. Gerade das feinsinnige Changieren der Charakteristika, dieses Ineinanderfließen von Hell und Dunkel, der Wechsel von dramatischen, lyrischen, melancholischen oder spritzigen Abschnitten überzeugte weit mehr. In galant-melodiösen Kategorien gab es diese feinsinnige Differenzierung auch im warm grundierten Andante. Das Menuetto erwies sich in Keilhacks Interpretation als echtes Scherzo mit tänzerisch-melodiösem Trio. Eine Bewährungsprobe wartete dann noch im Schlusssatz, wo all diese Ausprägungen noch einmal Revue passierten, sodass am Ende ein überzeugender Schlusspunkt gesetzt werden konnte. Der lang anhaltende Applaus zeigte, dass die Schlusswirkung stimmte.

 

Kritik zum Sommerkonzert am 25.06.2017, Starnberger Merkur vom 27.06.2017

Von CHRISTINE CLESS-WESLE

Ein Mozart-Abend vom Feinsten

Clara Shen und die Orchestervereinigung Gauting begeistern im Bosco

Gauting - Es war eine Sternstunde: Die Zuhörer im nahezu ausgebuchten Bosco-Saal hielten geradezu den Atem an. Denn die zwölf Jahre alte Geigen-Virtuosin Clara Shen bot das Adagio von Mozarts berühmtem Violinkonzert A-Dur mit unter die Haut gehendem reifen Ausdruck. Das Zusammenspiel mit der perfekt einstudierten Orchestervereinigung Gauting unter der temperamentvollen Leitung von Dorian Keilhack war schlichtweg grandios.

„Mozart forever“: Mit Frühwerken des damals 17 bis 19 Jahre jungen Meisters begeisterte die Orchestervereinigung des Musikvereins ihr Publikum einmal mehr. Zum Auftakt des Konzerts am Sonntagabend erhob sich die schicksalhafte, „kleine“ g-moll-Sinfonie im Bosco. Trotzig dahin stürmende Synkopen des Allegros mit Bläsern mündeten in die Ruhe des sanft interpretierten Andante-Satzes mit dem Seufzermotiv. Gut hörbar waren die vier Homer im Menuett. Das Schluss-Allegro jagte mit wilden Synkopen spannungsreich zum energischen Finale.

Dorian Keilhack, Leiter der Opernschule Innsbruck, hatte am Tag zuvor seinen 50. Geburtstag gefeiert - und sein Gautinger Orchester aus ambitionierten Laien und Profis bestens im Griff. Mit Violin-Virtuosin Clara Shen und dem Violinkonzert A-Dur folgte das Glanzlicht des Abends. Das Ausnahmetalent ist Jungstudentin bei Professorin Sonja Korkeala an der Münchner Musikhochschule und zehnmalige „Jugend musiziert-Preisträgerin. Und sie stellte sich so selbstbewusst vor die Orchestervereinigung wie einst Julia Fischer.

Nach den strahlenden Dreiklängen der Streicher entfaltete die Zwölfjährige auf ihrer „Lorenz Küntzel“ das Solo des überraschend schwebenden Adagios. Das Allegro verklang im brillanten fröhlichen Jubel der Sologeige. Ergreifend, mit unglaublich reifem Ausdruck, interpretierte Clara Shen das folgende, singende Adagio. Als das Rondo mit dem fröhlich-graziösen Menuett im freudig, beschwingten Allegro „alla turca“ mit Bläsern endete, erhob sich stürmischer Beifall.

Auf begeistertes Getrampel ließ sich die Zwölfjährige nochmals auf die Bühne bitten. Clara Shen, die schon bei „Klein gegen Groß“ im ARD- Duell gegen Star-Geiger David Garrett angetreten war, legte ein grandioses Solo hin. In atemberaubendem Tempo interpretierte sie Rezitativ und Scherzo aus der Caprice von Fritz Kreisler. Abermals hingerissener Applaus. Nach dem dahin brausenden finalen Sturmwind des Allegro „con spirito“ aus Mozarts Sinfonie in A-Dur dankte das Publikum Dorian Keilhack und Orchestervereinigung mit anhaltenden Beifall für ein Ausnahmekonzert.

 

 

Kritik zum Frühjahrskonzert am 19.03.2017, SZ Starnberg vom 23.03.2017

Von REINHARD PALMER

Gipfelsturm

Die Orchestervereinigung Gauting erreicht bei ihrem Konzert in der Realschule professionelles Niveau

Gauting - Musik braucht Raum, deutlicher hätte dies hier nicht vorgeführt werden können. Ein so großer Orchesterapparat, zumal mit drei Solisten, hätte im Bosco den baulichen und akustischen Rahmen krachend gesprengt. In der Aula der Gautinger Realschule konnte indes eine gute Balance zwischen Bühnenraum und Publikum erreicht werden. Zum Glück, denn die erweiterte Orchestervereinigung Gauting unter der Leitung von Dorian Keilhack strebte auf höchste sinfonische Gipfel zu. Beethovens Tripelkonzert C-Dur op. 56 - hier mit dem Gelius-Trio im Solistenpart - und Tschaikowskys h-Moll-Sinfonie „Pathétique“ op. 74 sind für die meisten Laienorchester im Grunde ein schier unerreichbares Ziel. Doch um es vorweg zu nehmen: Das Ergebnis klang so professionell, dass der Schlussapplaus enttäuschend ausfiel. Ovationen wären unbedingt angebracht gewesen. Mindestens!

Wie das Orchester mit dem komplexen Solopart zurechtkam, war eine nahtlose, überaus stimmige Angelegenheit, obgleich es im Grunde um eine schwierige Dreierbeziehung ging. Die beiden Solostreicher - besetzt mit den Konzertmeistern der Münchner Philharmoniker, Sreten Krstic (Violine) und Michael Hell (Violoncello) - ergeben ein sich ergänzendes, brillantvirtuoses Duo. Das Klavier indes (im Gautinger Konzert mit Micaela Gelius) hat eine meist eigene Rolle zu spielen. Das Ineinan­dergreifen der Stimmen vollzog Keilhack mit energischem Dirigat geradezu nahtlos. Was besonders hervorzuheben ist, da gerade der Kopfsatz überreich nuanciert ist und eine Vielzahl diverser Farbkombinationen fordert.

Keilhack verstand es auch, die Führung in den solistisch dominierten Passagen sachte in die Hände der Solisten zu legen, um ein intuitives Mitfühlen des Orchesters zu ermöglichen. Ein sehr wichtiger Faktor vor allem im Largo, das hier auch wunderbar atmosphärisch dahinfloss und den sich nur hauchdünn über den Klangkörper erhebenden Solistengesang in Samt und Seide bettete.

Große Kunst bewies die Orchestervereinigung mit der Gestaltung zwischen den effektvollen Extremen. Gemeint sind die vielen Mezzoforte-Passagen, die vordergründig nur wenig ereignisreich sind, aber in ihrer Musikalität einen enormen Einfluss auf den Gesamteindruck haben. Dazu zählte zweifelsohne das sensible Hell-Dunkel- Changieren bei Beethoven, aber vor allem bei Tschaikowsky die vielen erzählerischen Passagen, die ja tatsächlich eine Geschichte in sich tragen, hatte doch der Komponist der Sinfonie ein Programm hinterlegt, auch wenn er nie verriet welches. „Das Programm ist voll von subjektiven Gefühlsregungen“, schrieb Tschaikowsky dazu. Und er habe häufig weinen müssen, als er das Werk komponierte, verriet er. Den wehmütig-melancholischen Charakter setzte das Orchester wunderbar um, kontrastierte beispielsweise im zweiten Satz (Allegro con grazia) die streicherschillernde Tanzseligkeit mit der Zurücknahme des Schwungs und schwelgerischem Klang der Holzbläser. Dem atmosphärischen langsamen Satz Beethovens entsprach am ehesten das Finale bei Tschaikowsky, das mit „Adagio lamentoso“ bezeichnet ein ungewöhnliches Finale darstellt.

Aber das Orchester vermochte auch die schnellen, spritzigen Sätze und Passagen nicht nur schönmusikalisch, sondern erstaunlich präzise in den Details und rhythmisch exakt umzusetzen, sodass trotz des riesigen Orchesterapparats straffe Leichtigkeit möglich wurde. So begann der vor­letzte Satz bei Tschaikowsky mit einem ruhelosen Flirren und Tänzeln in vorantreibendem Duktus, abgelöst von scharf geschnittener Rhythmik.

Auch die Solisten musizierten äußerst einfühlsam

Mehr Substanz und Verve forderte bei Beethoven der Polacca- Schlusssatz, der sich aus dem Mittelsatz entwickelte und aufgrund der allmählichen Beschleunigung und Verdichtung kaum von ihm abgesetzt ist. Die Einsätze der wunderbar einfühlsam musizierenden Solisten blieben kantabel, was einen besonders leidenschaftlichen Charakter auf den Plan rief. Ein großartiges Konzert.

 

Kritik zum Frühjahrskonzert am 19.03.2017, Starnberger Merkur vom 21.03.2017

Von CHRISTINE CLESS-WESLE

Beifallstürme nach ergriffener Stille

Mit Profimusikern verstärktes Orchester der Musikfreunde Gauting übertrifft sich mit „Pathétique"

Gauting - Minutenlang herrscht ergriffene Stille. Im dumpfen Piano der tiefen Streicher war die aufwühlende Sinfonie „Pathétique“ von Peter Tschaikowsky geendet. Dann brechen sich in der ausgebuchten Aula der Gautinger Realschule die Beifallsstürme mit Bravo-Rufen ihre Bahn. Das mit exzellenten Profibläsern und Pauke verstärkte Gautinger Streichorchester der Musikfreunde hatte sich unter dem Dirigat von Dorian Keilhack mit der „Pathétique“ selbst übertroffen.

Zum Auftakt des Konzertabends bescherte der Verein der Musikfreunde Gauting den Zuhörern einen ersten Höhepunkt: Im Beethoven- Tripelkonzert C-Dur übernahm das von Rundfunkaufnahmen und bedeutenden Musikfestivals bekannte Gelius Trio die Solo-Partien. Im Allegro bot Michael Hell ein überzeugendes Cello-Solo, das die innige Violine (Sreten Krstic) weiter entwickelte. In glänzendem Zusammenspiel mit dem Orchester begeisterte Micaela Gelius, Pianistin und Namensgeberin des Trios, mit ihrem betörenden Anschlag. Ihre Läufe perlen nur so dahin - und münden in der dramatischen Wucht des Orchesters. Im Largo mit berührendem Cello entlockt Keilhack seinen Streichern zartestes Piano. Getrieben vom Trio mündet die Sinfonie im übermütigen, elegant hingelegten Rondo alla Polacca. Angeblich wollte sich Beethoven mit dem Tripelkonzert einst in; Paris einführen. Doch auch zwei Jahrhunderte später transportiert Dirigent Keilhack die sprühenden Funken des Tripelkonzerts genial: begeisterter Beifall.

Mit dunklen, aufwühlenden Streichern, verstärkt mit hervorragendem Fagott, tun sich gleich zum Auftakt der „Pathétique“ von Tschaikowsky tiefste Abgründe auf. Der russische Komponist, Schöpfer der romantischen Ballettmusik Schwanensee, litt an Einsamkeit, seiner damals strafbaren Homosexualität und Melancholie. „In diese sechste Sinfonie habe ich, ohne Übertreibung gesagt, meine ganze Seele gelegt“, ist von Tschaikowsky überliefert. Und diese verwundete Seele offenbart auch das mit Bläsern und Pauke verstärkte Streich-Orchester: Im ersten Satz mit dem düsteren Klagegesang sind helle und dunkle Streichereinsätze zu hören. Irre, verzweifelte Wucht der Bläser mündet ins lyrische Seitenthema. Keilhack entfaltet die wilde Dra­matik des Werks bis hin zum wehmütigen Abschiedsthema im Piano. Ansteckend: Im elegant dahin fließenden Walzer „Allegro con grazia“ tanzt der Dirigent vom am Pult im Fünfvierteltakt mit. Treibend bietet das große Orchester das rhythmische, wild dahin stürmende Allegro - bis hin zum Marsch mit den entfesselten Bläsern. Unter die Haut geht die Tristesse des Finales: Trauer schwillt mit Streichern und Bläsern an zum verzweifelten Abschiedsthema - mit unerbittlich drängenden leisen Paukenschlägen.

 

Kritik zum Weihnachtskonzert am 26.12.2016, Starnberger Merkur vom 28.12.2016

Von CHRISTINE CLESS-WESLE

Beifall und Fußgetrampel schallen durch St. Benedikt

Gauting - Beim Weihnachtskonzert mit Chor St. Benedikt, Orchestervereinigung Gauting und jungen Gesangssolisten traf Dirigent Dorian Keilhack den Nerv dieser emotionsgeladenen Jahreszeit. Ergriffen lauschte das Publikum dem Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns. Als der dramatische Ausbruch des Chores „Warum toben die Nationen“ in den hoffnungsfrohen Jubel des „Halleluja“ mündet, erfüllt minutenlanger Beifall und Fußgetrampel die überfüllte Pfarrkirche St. Benedikt.

Zum Auftakt erklingt die von Johann Sebastian Bach komponierte barocke Orchestersuite C-Dur. Gleich in der berührend intonierten Ouvertüre sind wunderbare Violin-, Oboen- und Fagottstimmen zu hören. Geniale Idee: Der Orchestersuite des Leipziger Protestanten Bach stellt Dorian Keilhack, Leiter der Opernschule Innsbruck und der Orchestervereinigung Gauting, den Italiener Arcangelo Corelli gegenüber. Der lebhafte Aufruf des „Vivace“ der hellen Violinen in Corellis Weihnachtsoratorium wechselt zum dumpfen Grave der Celli mit Basso Continuo. Zum Finale erhebt sich das getragene Largo der berühmten „Pastorale“.

Danach folgt der musikalische Höhepunkt dieses be­merkenswerten Konzerts: Nahtlos knüpft Camille Saint-Saëns an die Hirtenmusik des Bachschen Oratoriums an. Im „Oratorio de Noël“ transportiert der damals erst 23-jährige Komponist, Organist der renommierten Église Madeleine Paris, die Vorgänger-Werke vollendet ins 19. Jahrhundert.

Beim Gautinger Weihnachtskonzert sind ausgezeichnete junge Solisten zu hören. Allen voran die in der Würmtalgemeinde aufgewachsene Verena Maria Schmid mit ihrem reich modulierenden warmen Sopran. Das Zwiegespräch zwischen Orgel und Streichern mündet zunächst in den vollendeten Chor-Jubel mit dem „Gloria“ der Engel aus der Weihnachtsgeschichte. Überraschend singen die Solisten aus Keilhacks Innsbrucker Talentschmiede danach unter die Haut gehende Psalmengesänge mit Lobpreisungen der Propheten. Zu Herzen geht das flehentliche „Wir erwarten den Herrn“ (expectamus dominum) der erst 22-jährigen Mezzosopranistin Elisabeth Reheis. Berührend entwickelt sich das „Ja, Herr, ich glaube“ aus dem Johannes-Evangelium - als eindrucksvoller Dialog zwischen Chor und Tenor (ausgezeichnet: Martin Lechleitner). Zornig, im dramatischen Fortissimo, bietet der Chor das durchdringende, aufwühlende „Warum toben die Nationen.“ Das „Oratorio Noël“ mündet in das beruhigende Halleluja „und die Erde sei fröhlich vor dem Herrn.“

Begeisterter Beifall, sogar Getrampel in den Bänken, schallt durch das Kirchenschiff: Ein hoch musikalisches Geschenk, das Hoffnung macht.

 

Kritik zum Weihnachtskonzert am 26.12.2016, SZ Starnberg vom 28.12.2016

Von BERTHOLD SCHINDLER

Ihre Stärken ausgespielt

Die Orchestervereinigung Gauting, Gesangssolisten und der Chor von St. Benedikt überzeugen bei ihrem Weihnachtskonzert vor allem mit Saint-Saëns "Oratorio de Noël"

Gauting - Der 26. Dezember ist der Tag, an dem Bescherung, Familienbesuche, Festmahlzeiten sich allmählich dem Ende zuneigen und man wieder Zeit findet, sich vor die Haustür zu begeben. Zum Beispiel für ein Konzert mit der Orchestervereinigung Gauting, Gesangssolisten und dem Chor St. Benedikt in dessen Kirche. Trotz gehobener Kartenpreise ließen sich die Gautinger dieses Ereignis nicht entgehen: Mit Bach, Corelli und Saint-Saëns’ Oratorio de Noël standen drei Schmankerl auf dem Programm, dazu konnten die Ensembles unter ihrem Dirigenten Dorian Keilhack in dessen noch recht kurzer Amtszeit wiederholt ihre Güte unter Beweis stellen.

Die ersten Takte aus Bachs Orchestersuite Nr. 1 C-Dur machen klar, wie die Musiker den Barock Bachs und Corellis (1653 bis 1713) verstehen: Es geht üppiger, gemütlicher, symphonischer zu als in der heute  gängigen Lesart der historisch informierten Aufführungspraktiker. Diese Interpretation - mit Vibrato wurde nicht gespart - hat ihren Reiz, wirkt sie doch in ihrem lustvollen Duktus ganz passend zwischen den prächtigen Engelsfresken und dem reich geschmückten Christbaum. Dynamische Kontraste werden sorgsam gepflegt, die vielen Tanzsätze in der Suite leger musiziert. Es hapert allerdings konstant bei den vielen Auftakten und Einsätzen, die Musiker brauchen immer eine Weile, um sich im Laufe eines Stücks zurechtzuruckeln. Allgemein gilt, dass bei den schnellen Sätzen ganztaktiges Musizieren dem Spielfluss und damit dem Hörgenuss zuträglich ist; wenn Keilhack mit bester Absicht im Bemühen um rhythmische Präzision kleinteilig zu schlagen beginnt, verlieren die Phrasen an Spannkraft, sie wirken abgehackt. In herausragender Verfassung präsentieren sich die beiden Oboen und das Fagott: Folgerichtig bildet ein Holzbläsertrio den Höhepunkt in der Bach-Suite. 

Corellis Concerto Grosso ist hörbar kühner in seiner Tonsprache

Corellis Concerto Grosso in g-Moll, der gleichen Epoche wie die Suite entstammend, setzt formal und harmonisch andere Akzente. Wiederholte Sekundreibungen bringen ein wenig Schmerz in die weihnachtliche Heiterkeit, der römische Komponist beweist mehr Kühnheit in seiner Tonsprache. Dazu sind erstmals auch bei den Streichern solistische Qualitäten gefragt, immer wieder schälen sich aus dem Tutti, wie in den Concerti Grossi üblich, Sololinien in Geige, Bratsche und Cello heraus. Der Gesamtklang wird so transparenter, wobei für das tiefe Oktavfundament neben Spinett und Cellogruppe ein zweiter Kontrabassist gut getan hätte. Die Bassgruppe ist sich auch manchmal nicht im Tempo einig, insgesamt wird aber, wie gehabt, dynamisch fein austariert.

Seine Stärken voll ausspielen kann das Orchester dann in Camille Saint-Saëns „Oratorio de Noël“. In der französischen Romantik fühlt sich das Orchester hörbar zuhause, auch der bis dato fleißig generalbasspielende José Luis Gutiérrez emanzipiert sich beim Wechsel von Spinett zu Orgel hin zum virtuosen Tasten- und Registrierkünstler. Es kommen außerdem noch Chor und fünf Vokalsolisten hinzu. Aus Letzteren, die einen sehr gemischten Eindruck hinterlassen, ragen drei Sänger heraus: Koloratursopranistin Verena Maria Schmid aus München bezaubert hier mit glockigem, dort mit weichem Ton, die Höhe gelingt gerade im Leisen mühelos. Ihr männliches Pendant, Tenor Martin Lechleitner, meistert mit heller Stimmgebung souverän den oberen Passaggio. Im Zusammenspiel der beiden mit den samtigen Harfenklängen Gudrun Haags zeigt sich, warum das „Tecum Principium“ eines der populärsten Stücke des Oratoriums geworden ist. Besonders beeindruckend singt die junge Mezzosopranistin Elisabeth Reheis, die nicht nur in allen Registern mit ihrem gleichmäßigen, formschönen Timbre glänzt, sondern auch im „Expectans, expectavi Dominum“ („Ich harrte des Herrn, er neigte sich zu mir und hörte mein Flehn“, heißt es zu Deutsch) durch innigen Ausdruck die Herzen anrührte.

 

Kritik zum Sommerkonzert am 26.06.2016, Starnberger Merkur 02.07.2016

Simon Schachtners triumphales Heimspiel

von ARNO PREISER
Gauting -  Das Konzert der Orchestervereinigung Gauting mit der Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 "Aus der Neuen Welt" und dem Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll op. 104 von Dvorak begeisterte die vielen Musikfreunde im bosco. Ein kühnes Unternehmen, die sinfonischen Hauptwerke aus Dvoraks Amerika-Aufenthalt mit einem Orchester überwiegend aus Amateuren vorzuführen. Dazu musste Dirigent Dorian Keilhack Stücke von einheitlicher Harmonik einstudieren, zumal Dvorak 1893 und 1895 in Nordamerika so böhmisch komponierte wie kaum je zuvor.
Keilhack, der detailfreudig jede Gruppe immer erneut zu präziser Rhythmik und farbiger Melodik motivierte, konnte sich beim Cellokonzert ganz auf Solist Simon Schachtner verlassen. Für den mit dem Günther-Klinge- Kulturpreis der Gemeinde Gauting Geehrten, der im August 22 Jahre alt wird und in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater studiert, war es ein Heimspiel. Da bewältigte das Orchester beim Eingangs-Allegro Kraftausbrüche, Holz- und Blechbläser färbten den Klang. Schachtner ließ mit schlankem, durchdringendem Ton aufhorchen, verdeutlichte den sanglichen Charakter des Adagio ma non troppo und mied gefühlvolles Romantisieren. Die Streicher waren auch bei leisen Stellen als unterschiedliche Stimmen zu vernehmen, was kammermusikalisch ausgerichtete Probenarbeit verriet.
Im Allegro-moderato-Finale meisterte der Solist die heiklen, mitunter zu Dramatik gesteigerten Virtuosen-Passagen wie auch Besinnliches. Auch hier gelang es ihm, seinen Part sonor in die fließende Orchestermelodik einzubinden. So kam das elegische, Espressivo dieses Meisterwerks mit Vorbildwirkung sehr schön zur Geltung.
Bei Dvoraks Neunter, auch "Amerikanische Sinfonie" genannt, überhörte das Publikum gelegentliche Intonationstrübungen gern. Einfühlsam dazu angeleitet, begann das Orchester mit sanftem Adagio und ließ im bald einsetzenden Allegro molto Fortissimo-Akkorde donnern.
Im Largo, als kaum redseliges Herzstück zu erleben, steigerte Keilhack gegen Ende die Spannung: Bei einem berührenden Motiv der Streicher betonte er kleine Pausen und bereitete so das Ritardando (Langsamer Werden) des Schlusses vor. Umso ausgelassener spielten die Musiker das Molto-vivace-Scherzo und endeten mit triumphalem Allegro con fuoco. Triumphal wirkten auch die Bravorufe und Ovationen.

Kritik zum Frühjahrskonzert am 13.03.2016, SZ Starnberg 19.03.2016

Befreit aufgespielt: Keilhacks Orchestervereinigung im bosco

Gauting - Dorian Keilhack versteht offenbar viel von Motivation. Seit er die Orchestervereinigung Gauting übernommen hat, weht ein frischer Wind durch ihre Reihen. Und der bewirkt nicht nur, dass sich das Orchester verjüngt, sondern vor allem, dass sich die Musiker sichtlich freier fühlen und ihr Instrument nicht so ängstlich umklammern. Diese Gelöstheit war für das Repertoire, das im diesjährigen ersten Sinfoniekonzert im gut besuchten Gautinger Bosco zur Aufführung kam, geradezu essenziell.
Derart frisch, rhythmisch packend, bisweilen vergnüglich galant, aber auch schon mal mit dramatischer Zuspitzung hat das Orchester eine Haydn-Sinfonie gewiss noch nie interpretiert. Und es geht hier keinesfalls um einen pauschalen Zugriff, vermochte doch Keilhack mit energischem Dirigat den Sinfonien Nr. 95 und 96, respektive c-Moll und D-Dur, jeweils ein ganz eigenes Gepräge zu verleihen. Während der Tonart c-Moll entsprechend Dramatik energischen Zuschnitts die Sinfonie beherrschte, die das Konzert eröffnete, gab sich die D-Dur-Sinfonie („The Miracle“) genannt, festlicher und von der Klangsubstanz her voluminöser, dennoch leichter. Beide Charakterisierungen waren wichtige Bestandteile des Abends, dazu kam als Kontrastprogramm galante Melodik. Das für Haydn typische Changieren zwischen den gestalterischen Polen streifte beachtlich viele Nuancen im Aus­druck, die in den beiden weiteren Werken des Konzerts zum Thema werden sollten. Vor allem im berühmten Gitarrenkonzert des spanischen Komponisten Joaquin Rodrigo, dem „Concierto de Aranjuez“ das dem Königspalast mit seinen üppigen Lustgärten in der Nähe von Madrid ein Denkmal gesetzt hat.
Gerade jetzt ist der Ort in Spanien wohl in aller Munde, in Vorfreude auf die baldigen ersten Erdbeeren (Fresa y Fresón de Aranjuez)," die es da mit einer gewaltigen Portion Schlagsahne gibt. Wer eine Erinnerung an dieses lukullische Vergnügen bewahrt, versteht die Köstlichkeit der Musik wohl besser, zumal wenn gedanklich auch noch die sommerlichen Gerüche der Gärten in seine Nase steigen. Die Orchestervereinigung Gauting fing - ganz gleich ob wissentlich oder nicht - diese Farbigkeit und Sinnenfreudigkeit des Konzerts gut ein, agierte aber dennoch weit zurückge­nommen, um Stephan Stiens an der Gitarre Vorrang zu gewähren und den Klang der Gitarre im Ensemble auszubalancieren. Ein Verstärker war dennoch nötig, bietet die trockene Akustik im Bosco einer Gitarre doch keinerlei Tonentfaltung. Die atmenden Weiten im heiß flimmernden Sonnenlicht kamen dadurch zu kurz, sie gaben vielmehr Anlass zur kammermusikalischen Interpretation mit filigranen Melismen, die sich da zwischen den Tänzen und sehnsuchtsvollen Gesängen leidenschaftlich durchwanden.

Bei Prokofjew lässt der Dirigent die Zügel locker

Die reich nuancierte Vielfalt im Kolorit fand zum Ende des Konzerts in der Sinfonie Nr. 1 D-Dur - der sogenannt klassischen - von Prokofjew eine anders geartete Entsprechung. Während bei Rodrigo die Leichtigkeit und Spritzigkeit als Kontrastmittel zur sehnsuchtsvollen Melodik stand, machte Keilhack bei Prokofjew die plastische Modellierung zum Gegenstand. Auch hier gab es viele Tänze und fließende Melodien in den schillernden Streichern oder von den entrückt schwebenden Bläserstimmen. Doch bei Prokofjew zeigte sich alles mit Energie geladen und mit Verve präsentiert. Lediglich die Gavotta als kurzer Spaß in spritziger Leichtigkeit sollte hier für Entspannung sorgen. Ansonsten ließ Keilhack behutsam die Zügel locker, doch nicht zur Entspannung, sondern als Motivation für seine Instrumentalisten, sich der Musizierlust hinzugeben. Dementsprechend engagiert legte er sich ins Zeug und provozierte ein fulminantes Finale mit einem schmissigen Schluss. Lang anhaltender Applaus im Bosco.

REINHARD PALMER